Mahnwache für die Freilassung des Journalisten Assange
Wir gingen in München auf die Straße, um ein Zeichen zu setzen

In etwa 15 Mitglieder aus den politischen Gruppierungen DiEM25, ATTAC und einem lokalen Ableger von Unterstützern des Whistleblowers Julian Assange hielten am vergangenen Samstag in der Münchener Fußgängerzone eine Versammlung ab. Anlass ist das Urteil des britischen Berufungsgerichts vom 10. Dezember, mit dem ein Auslieferungsverbot gegenüber den USA gekippt wurde. In den USA droht Assange eine über hundertjährige Haftstrafe. Sein Gesundheitszustand ist bereits jetzt stark angeschlagen. Assanges Verlobte fürchtet um sein Leben, sollte er ausgeliefert werden. Es wäre ein fatales Signal, dass ein Journalist, der Insiderinformationen veröffentlicht, mit drakonischen Strafen rechnen muss – ein Anschlag auf die ohnehin bedrohte Pressefreiheit.

Free Assange mit Straßenkreide

Free Assange mit Straßenkreide

Assange ist Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Diese sammelte Informationen von Insidern und wurde vor allem für das Veröffentlichen von „War Logs“ (Protokolle der US-Streitkräfte im Einsatz in Afghanistan und im Irak) sowie das Collateral-Murder-Video 2010 bekannt. Wikileaks rühmte sich, wohl zu recht, für seinen ungebrochenen Quellenschutz.

Der Begriff Whistleblower (whistle: die Pfeife, blow: blasen) meint, dass ein einzelner Alarm schlägt, indem er oder sie in die Pfeife bläst und damit andere warnt. Das heißt, Mitglieder von Behörden, der Armee, von Politik oder Unternehmen tragen besorgniserregende Informationen nach außen, üblicherweise zu Journalisten, um auf Missstände hinzuweisen. Berühmtes Beispiel ist etwa der Watergate-Skandal in den USA, über den Präsident Nixon Anfang der 70er Jahre stolperte.

Aktivist mit einer großen Pfeife auf dem Kopf

Aktivist mit einer großen Pfeife auf dem Kopf

Der Australier Julian Assange betätigte sich schon in jungen Jahren als Hacker und setzte sein Talent ein, um politischen Einfluss zu erreichen, beispielsweise bei Wahlen in Kenia oder eben später mit Wikileaks. Er bekam in der Botschaft Ecuadors in London politisches Asyl und sah sich gezwungen, jahrelang im Botschaftsgebäude auszuharren, um nicht verhaftet und an die USA ausgeliefert zu werden. Nach einem Regierungswechsel in Ecuador wurde es möglich, ihn in ein britisches Hochsicherheitsgefängnis zu sperren. Seit über zwei Jahren laufen die Verhandlungen in London betreffend eine Auslieferung.

Text und Fotos: Julian Traublinger, DiEM25, DSC München