Guckt mal, was ich da auf den Seiten des BKA zum Thema Po­li­tisch mo­ti­vier­te Krimi­nalität (PMK)-rechts- gefunden habe (Hervorhebung von mir):

Das wesentliche Merkmal einer „rechten“ Ideologie ist die Annahme einer Ungleichheit bzw. Ungleichwertigkeit der Menschen. Straftaten, bei denen Bezüge zum völkischen Nationalismus, zu Rassismus, Sozialdarwinismus
oder Nationalsozialismus ganz oder teilweise ursächlich für die Tatbegehung waren, sind dabei in der Regel als rechtsextremistisch zu qualifizieren.

Der Sozialdarwinismus ist laut Wikipedia „eine sozialwissenschaftliche Theorierichtung, die einen biologistischen Determinismus als Weltbild vertritt.“ Er beruht auf einer vulgärdarwinistischen Sichtweise des ’survival of the fittest‘, denen folgende Kernaussagen gemeinsam seien:

  • Die Theorie der Auslese
    sei vollständig in sozialer, ökonomischer und auch moralischer
    Hinsicht anwendbar und maßgeblich für die menschliche Entwicklung.
  • Es gebe gutes und schlechtes Erbmaterial.
  • Gute Erbanlagen sollen gefördert, schlechte ausgelöscht werden.

Solche Mythen können sich sehr tief verankern. Noch in den Tier-Dokumentationen meiner Jugend (Grzymek, Sielmann) in den 1960/70ern wurde der Löwe, der ‚König der Tiere‘ so kommentiert, dass er nur die ‚Kranken und Schwachen aussiebt‘.

In der Ökonomie – bürgerlich wie marxistisch – unterscheidet man ja bekanntlich zwischen ‚Kapital‘ und ‚Arbeit‘. Die bürgerliche Interpretation in der formalmathematischen Interpretation des selbsregulierenden Marktes sieht aus der individualistischen Perspektive den ‚Unternehmer‘ immer noch als das risikofreudige, tatkräftige Individuum, das mutig Entscheidungen trifft, als stellvertretend für ‚das Kapital‘ und den Arbeiter mit dem Faktor ‚Arbeit‘. Letzterer ist das Individuum, der in der Sprache der Grenznutzentheorie „zwischen Freizeit und (bezahlter) Arbeit substituiert“, was aber letztlich nur ein Euphemismus für „arbeitscheues Gesindel“ darstellt. Das reflektiert in etwa das Selbstverständnis der Großbürgertums des ausgehenden 19. Jahrhunderts, worin sich auch ‚Die Ordnung der Dinge‘ (Foucault) in diesem Weltbild widerspiegelt. Dieses Weltbild liegt nicht nur den Aussagen der einschlägig bekannten Gesinnungstäter (’spätrömische Dekadenz‘, Guido Westerwelle (FDP), ‚Florida-Rolf‘, BILD-Zeitung) zugrunde, sondern wurde auch vom Kleinbürgertum respektive der sog. ‚Mitte‘ unreflektiert adaptiert (‚wer sich genügend anstrengt, …‘).

Der US-Historiker Richard Hofstadter hat in “Social Darwinism in American Thought, 1860–1915” (1944) argumentiert, Sozialdarwinismus stellt die willkommene theoretische Grundlage dar, um den Laissez-faire Kapitalismus zu rechtfertigen, was natürlich von den Industriellen jener Zeit mit Handkuss aufgenommen wurde.

Darwins Evolutionstheorie

Der olle Rauschebart aus Trier hat hingegen Darwin recht gut verstanden.
So schrieb Karl Marx 1861 an Ferdinand Lassalle:

Sehr bedeutsam ist Darwins Schrift und passt
mir als naturwissenschaftliche Unterlage des geschichtlichen
Klassenkampfs. Die grob englische Manier der Entwicklung muss man natürlich in den Kauf nehmen. Trotz allem Mangelhaften ist hier zuerst der ‚Teleologie’ in der Naturwissenschaft nicht nur der Todesstoß gegeben, sondern der rationelle Sinn derselben empirisch auseinandergelegt.

und an Lawrow 1875:

„1. Ich akzeptiere von der Darwinschen Lehre die
Entwicklungstheorie, nehme aber Darwins Beweismethode (struggle for life, natural selection) nur als ersten, provisorischen, unvollkommenen Ausdruck einer neuentdeckten Tatsache an. …
Die Wechselwirkung der Naturkörper – toter wie lebender – schließt sowohl Harmonie wie Kollision, Kampf wie Zusammenwirken ein. …
3. … Die ganze darwinistische Lehre vom Kampf ums Dasein ist einfach die Übertragung der Hobbeschen Lehre vom Krieg aller gegen alle und der bürgerlich-ökonomischen von der Konkurrenz, nebst der Malthusschen Bevölkerungstheorie, aus der Gesellschaft in die belebte Natur….
4. Der wesentliche Unterschied der menschlichen von der tierischen Gesellschaft ist der, dass die Tiere höchstens sammeln, während die Menschen produzieren. Dieser einzige, aber kapitale Unterschied allein macht es unmöglich, Gesetze der tierischen Gesellschaften ohne weiteres auf menschliche zu übertragen.“

Das deckt sich recht gut mit der modernen Auffassung von Mutation und Selektion, bei der die biologischen Spezies in Wechselwirkung mit der Umwelt ungerichtet in die Zukunft driften. Der chilenische Molekularbiologe Humberto Maturana verallgemeinert dieses Konzept sowohl nach unten (zellulare Ebene) als auch nach oben (Gesellschaft) unter dem Begriff Strukturdeterminismus. In Bezug auf Gesellschaften ist das auch unter dem von Niklas Luhmann geprägten Begriff Autopoiesis bekannt.

Egoismus vs. Altruismus

Wir wissen heute, dass sich der Mensch nicht nur egoistisch verhält sondern auch altruistisch. Wir können vielfältigste Entscheidungen oder Reaktionen (Antworten auf vorhergehende Entscheidungen oder Aktionen) entlang der Achse Kooperation und Konfrontation erwarten. Im Kern geht es immer um den Konflikt zwischen Individuum und Gruppe. Für letzteres hat die Soziologie einen wahren Zoo an Begriffen entwickelt. Angefangen von Marx (Klasse) über Le Bon (Masse) wurde das im 20. Jahrhundert in unterschiedlichen Abstraktionsstufen
weiter ausdifferenziert. Gruppen sind manchmal unscharf (Millieu, Szene) manchmal auch sehr konkret (Familie, Verein, Partei, Nation …) definiert. Die Multilevel Selektions Theorie der beiden Evolutionsbiologen David Sloan Wilson und Edward O. Wilson haben in „Rethinking the Theoretical Foundation of Sociobiology“ einen Modellrahmen vorgeschlagen, innerhalb dessen soziale Relationen sowohl zwischen als auch innerhalb von Gruppen erörtert werden können und dessen Grundprinzip auf folgende einfache Formel reduziert werden kann:

Egoismus schlägt Altruismus innerhalb von Gruppen.

Altruistische Gruppen schlagen egoistische Gruppen.

Alles andere ist ein Kommentar.

Für einen Paradigmenwechsel reicht es nicht aus nur ‚dageng‘ zu sein, oder wie es Wilson formuliert, „eine Geschichte basierend auf der Absurdität ihrer Annahmen abzulehnen. Es muss eine neue Geschichte mit besseren Annahmen her, um akzeptiert zu werden.“ Der von Wilson und Wilson skizzierte Ansatz könnte so ein Pfad für die Zukunft sein. Dirk Elsner hat eine umfangreiche Materialsammlung zusammengestellt, mit der man anfangen kann.

Abschliessend die Antwort auf die Frage im Betreff. Ich denke das kann man mit dem eben skizzierten Kontext mit ja beantworten.